Liebe Leserinnen und Leser,

 

man sagt, dass viele Köche den Brei verderben. Deshalb sollte sich ein Koch lieber auf die Perfektionierung seines Könnens im Hinblick auf den Brei konzentrieren und die anderen Köche sollten sich den weiteren Angeboten der Speisekarte widmen. Was aber, wenn die Küche zwar sehr viele verschiedene Gerichte offeriert, es aber nur einen Koch gibt? Dann wird dieser bald überfordert, bald oberflächlich handelnd nur mittelmäßige Speisen zubereiten. Wenn er seine halbgaren Menüs aber als Luxus-Küche anbietet, dann wird es gefährlich…

„Auf was will der Typ hinaus?“, fragt ihr euch sicher. Nun, es geht um verschiedene Seiten im Netz, die sich der Aufklärung im Hinblick auf Drogen und andere bewusstseinsverändernde Substanzen gewidmet haben. Das sind die Restaurants. Die Schreiberlinge dieser Seiten sind die Köche. Und die Artikel sind die Mahlzeiten. Ich weiß, dass ich selbst nur ein Hobbykoch bin, aber ich versuche mein Können so effektiv und lecker wie möglich zu portionieren. Bei einer bestimmten Seite, nämlich drugcom.de habe ich aber den Verdacht, dass der Koch überfordert ist und lieber nur Vorgekochtes in der Mikrowelle auftaut. Außerdem wird einem ein Saft als Cocktail verkauft… aber reden wir Klartext:

 

Auf der Seite gibt es durchaus interessante Artikel und wer sich zum Thema bewusstseinsverändernde (bzw. „psychoaktive“) Substanzen informieren will, der ist dort für die erste Recherche gut aufgehoben. Zu meiner Überraschung wurden hier auch endlich mal Nikotin und Kaffee als Stoffe, die den Namen „Drogen“ verdienen, aufgeführt. Aber die dort erhaltenen Infos sollten stets mit aktuellen Quellen und gut ausgearbeiteten Wikipedia-Artikeln zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Andererseits könntet ihr sehr stark verallgemeinerten und teils auch veralteten Infos aufsitzen. Und das ist alles andere als gut.

 

Und dieser Hinweis geht auch aus der Lektüre auf der Seite zu den Legal Highs hervor. Denn hier werden keine klaren Linien zwischen den einzelnen Produkten gezogen. Zwar wird zwischen Räuchermischungen, Badesalzen und Research Chemicals unterschieden, jedoch wird nicht auf die Merkmale eingegangen. Wer die entsprechenden Abschnitte liest, der wird zwar wissen, dass es unterschiedliche Produkte gibt – aber nicht, wie er sie deutlich voneinander unterscheiden kann. Hier wurde ein wichtiger Punkt der Aufklärung unterlassen. Zudem werden wieder Einzelfälle zur „Belegung“ der angeblichen Gefährlichkeit aller Legal Highs herangezogen. Ebenfalls kontraproduktiv für die Aufklärung, zumindest, wenn nichts zur sicheren Anwendung dazu berichtet wird.

 

Und nun zu den veralteten Infos: Schaut man in das Impressum der Seite, dann entdeckt man, dass die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dahinter steckt. So weit, so gut. Nur sollte eine Bundeszentrale auch die aktuellen Rechtsprechungen verfolgen und in ihre Texterzeugnisse einfließen lassen können. Auf der verlinkten Seite mit den Ausführungen zu Legalhighs steht nämlich, dass diese Produkte nach dem Arzneimittelgesetz (AMG) geahndet werden können. (Zitat: „Händler machen sich demnach nach dem AMG strafbar.“) Wie ich hier bereits ausführlich erläutert habe, ist diese Aussage schon lange nicht mehr zeitgemäß. Im Juli 2014 wurde vom Europäischen Gerichtshof(!) festgelegt, dass es sich bei Legal Highs, speziell bei Räuchermischungen, nicht um Arznei handelt und weder Händler noch Konsumenten sie als solche ansehen.

 

Bis bald!